Archiv für 22. November 2008

Die letzten Kriegsjahre in Bad Bentheim

Interview mit Herrn D.S. (geb. 1924) und seiner Frau G.S.

Wie alt waren Sie als der Krieg ausbrach?
Er brach am 1.September 39 aus. Da war ich 15 Jahre.
Waren sie noch Schüler – oder schon in einer Ausbildung?

Ne, da war ich noch Schüler.
Und Sie?
Da war ich im Pflichtjahr.

Waren Sie während des Krieges Soldat? Ja!

Wie sah Bentheim zu dieser Zeit aus? Und wie am Ende des Krieges? Wie sah die Schule aus? Bentheim hat sich im Kriege eigentlich überhaupt nicht verändert. Kriegsschäden haben wir in Bentheim so gut wie überhaupt nicht gehabt. Nur im Westen etwas, aber das war nicht allzu viel. Und, also, das Verwaltungsgebäude der Bentheimer Eisenbahn war zum Teil weg, weil Bomben gefallen waren. Aber sonst war hier in Bentheim nicht viel passiert. Und Bauer Lütter war ausgebrannt und der Bauer Vogelsang. Das war beim Einmarsch der englischen Truppen. Und die Schulen waren alle in Ordnung, da war nicht viel passiert. Nur in der Mittelschule, heute ist das die Grund- und Hauptschule, da war ein Lazarett drin. Da waren verwundete Soldaten untergebracht. Aber kaputt war die nicht, die war beschlagnahmt für verwundete Soldaten.

Und wurden die Geschäfte zerstört? Nein, nein, nein.

Wurde in den Geschäften denn auch normal verkauft? Also, im Kriege wurde da nicht mehr normal verkauft, weil es ja nichts mehr gab. Lebensmittelkarten gab es ja. Weil es gab ja sonst nichts mehr. Man konnte nicht das kaufen, was man gerne haben wollte. Man musste das kaufen, was gerade da war. Es war beschränkt – und man konnte nur auf Bezugsschein kaufen. Wenn man was haben wollte und brauchte, dann kriegte man vom Rathaus einen Bezugsschein. Oder auch eine Kleiderkarte. Und dann konnte man das kaufen.

Und Gebäude- wurden da noch welche außer den Bauernhöfen zerstört? Ja, vom Westen her, in der Gildehauser Straße. Das Haus Ewen ist ausgebrannt und Malermeister Kock – wo Hofstiege und Gildehauser Straße sich treffen. Und in der Wilhelmstraße oder Pastuninkstiege sind die ersten beiden Häuser ausgebrannt. Im Westen Bentheims sind einige Häuser ausgebrannt. weiterlesen ‘Die letzten Kriegsjahre in Bad Bentheim’

Am Weihnachtsabend muss der Bruder in den Krieg

Befragt wurde Theda Voget, geboren 1927 in Ostfriesland.

1. Wie alt warst du?
Ich bin 1927 geboren und bei Beginn des Krieges, der fing ja am 1. September 1939 an, war ich 12 Jahre alt.

2. Berichte von einem Fliegeralarm!
Wir wohnten ja in Leer/Ostfriesland und hatten eigentlich nicht so viel mit Fliegeralarm zu tun. In Emden, einer Nachbarstadt, wurde sehr viel zerstört und wir konnten bei einem Fliegeralarm immer die Flammen sehen. Emden ist ziemlich zerstört worden, es war eine Hafenstadt und deswegen war sie fast immer Ziel der Flieger. Bei uns konnten wir dann immer die Flammen sehen, deswegen mussten wir auch in den Luftschutzkeller. Die Splitter konnten bis zu 500m fliegen. Unser Nachbar war ein Bauer, der hatte einen Luftschutzkeller und da fanden sich die Nachbarn ein und auch wir. Wir mussten dann durch einen großen Park rennen. Eigentlich sind wir gar nicht so oft im Luftschutzkeller gewesen, ist mir auf jeden Fall nicht so präsent.

3. Schildere mir doch bitte deine wichtigsten Gedanken und Gefühle während des Krieges!
Also meine Gefühle waren folgendermaßen: Ich war verzweifelt. Im Verlauf des Krieges, der hat ja fast 6 Jahre gedauert von 1939 bis 1945 hat mein Vater eine neue Stelle als Schulleiter angenommen. Ich lebte mit meinen Brüdern zusammen, wir gingen morgens zusammen zur Schule, meine Brüder zum Gymnasium für Jungen, wie man das heute nennt, und ich auf die Oberschule für Mädchen. Dann wurde mein ältester Bruder 1941 eingezogen, d.h. er wurde Soldat im Sommer. Und das war für uns natürlich traurig, dass nun einfach jemand weg musste. 1942 hatte er dann kurz vor Weihnachten Urlaub, kam da in die Kaserne und musste dann am Heiligen Abend wieder weg. Wir hatten das Weihnachtszimmer fertig, der Weihnachtsbaum stand da und wir waren sehr traurig, dass wir Weihnachten nicht mit dem ältesten Bruder verleben durften.
Mein zweiter Bruder ist dann im Jahre 1943 eingezogen worden und da kann ich mich erinnern, dass wir noch zusammen Äpfel geerntet haben. Wir hatten einen Apfelgarten hinterm Haus und das machte uns auch Freude, dass noch mal zusammen zu tun, aber ich wusste, wenn wir das alles hinter uns haben, dann muss er auch weg. Da habe ich mich nicht gut gefühlt. Ich dachte, jetzt sind beide Brüder nicht mehr da. Ja, das wahr…ich fühlte mich ganz einsam.
Und in der Zeit hatten wir – es war schon 1943 – da hatten wir auch immer die Sorge: Wie geht es ihnen wohl? Wir hörten die Nachrichten und begleiteten sie mit unseren Gedanken.
Ja, wir hatten Angst und es kamen ja auch immer Nachrichten aus dem Krieg. Eltern von Bekannten bekamen die Nachricht, das sagte man früher so, dass ihr Sohn „gefallen“ ist im Krieg.
Mein zweiter Bruder war bei der Marine und der Älteste war in Russland. Der kam im Sommer 1943 nach Russland. Das war dann wieder eine Sorge für uns alle. Er schrieb sehr viele Briefe. Wir haben so einen richtig dicken Packen gesammelt, dass wir immer wussten, wie es ihm geht. weiterlesen ‘Am Weihnachtsabend muss der Bruder in den Krieg’