Bericht von Anne F. geboren 1941, aus dem Tagebuch ihrer Mutter Maria F. geboren 1911
Ihre Eltern wohnten in Bernwald / Schlesien auf einem Hof mit Tieren und Landwirtschaft.
Es gab schon 1939 politische Unruhen. Anfang 1941 wurde ihr Vater Otto, geboren 1907, in den Krieg eingezogen, da war sie, meine Oma Anne noch gar nicht geboren. Am 22.06.1941, wo meine Oma geboren wurde, kam die Kriegserklärung gegen Russland. Ihre Mutter bekam, da sie allein war, Arbeiter gestellt. Diese Männer mussten jedoch mit 19 Jahren auch in den Krieg.
Das leben in Bernwald wurde unsicher. Die Russen zogen durch das Dorf und plünderten. Am 17.06.1945 musste meine Uroma, um 07:00 uhrfrüh, Haus und Hof verlassen. Nur wenige Sachen konnte sie mitnehmen, denn sie hatte auch noch zwei kleine Kinder. Viele wertvolle Sachen, die sie nicht mitnehmen konnte, hatte sie draußen am haus vergraben und versteckt. Sie kamen nach Lichtenwalde zu den Schwiegereltern meiner Uroma. Am 18.03.1946 wurden sie von den Polen aus Lichtenwalde in Schlesien verjagt. Am 19.03.1946 kamen sie nach Mittenwalde. Am 20.03.1946 wurden sie in Viehwagons verfrachtet. Sie hatten wenig Platz und wenig Habseligkeiten. Die Luft war sehr schlecht. Die Fahrt ging 3 Tage ins Ungewisse, sie wussten nicht, wohin sie gebracht wurden. Überall waren verwüstete Dörfer und Städte. Sie kamen nach Schöningen ins Auffanglager. Dort bekamen sie Registrierungsscheine, wurden entlaust und verpflegt. Dann ging es weiter nach Goslar, von dort aus kam meine Uroma nach Lengde, wo sie mit ihren 2 Kindern aufgenommen wurde. Sie arbeitet dort auf dem Hof. Meine Uroma ließ meinen Uropa durch das Rote Kreuz und Suchaktionen suchen. Sie erfuhr das ihr Mann in englischer Gefangenschaft lebte. 1947 kam mein Uropa nach Lengde, wo er meiner Oma, also sein zweites Kind das erste mal sah. Er bekam dort auch Arbeit in der Landwirtschaft.
Sie bauten sich eine neue Heimat in Beuchte, ca. 3 km von Lengde, auf. Dort lebten sie bis zu ihrem Tod. Von meiner Oma die Schwester wohnt noch heute in diesem Haus. Zu den Leuten, die damals meine Uroma aufgenommen haben, besteht heute noch Kontakt.
Meine Oma hat 5 Onkels im Krieg verloren. Ein Onkel wurde schwer verletzt.
Im Krieg mussten sie sich oft vor den Russen und Polen verstecken und leise sein.
Sie hatten schreckliche Angst, da sie gequält, vergewaltigt oder getötet wurden.
Zu Essen gab es wenig – Kartoffeln, Eier, geschlachtete Tiere. Sie waren auf die Hilfe von anderen angewiesen.
Die Kinder hatten wenig zum spielen. So wurde mit Steinen, Wäscheklammern, Stöckern oder ähnliches gespielt.
Das Schlimmste waren die Unruhen, die Ungewissheit was kommt und ob noch alle am Leben waren.
Ihr altes Zuhause haben sie später noch einmal gesehen, alles war zerstört und abgebrannt. Die vergrabenen Wertsachen wurden nicht wieder gefunden.
Von Laura W. und Marlena C. Klasse 5a
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