„Während des zweiten Weltkrieges wurden wir aus unserer Heimat Ostpreußen vertrieben, weil russische Soldaten gegen die Deutschen Krieg führten. Am 21.1.1945 floh ich mit meiner Mutter und meinen Geschwistern von Eichenwalde–Mittenheide auf Soldatenwagen zum Bahnhof nach Niedersee. Mit dem Zug fuhren wir von dort über Bartenstein nach Stablack bis wir in Leisunen ankamen. In einem Treck von Planwagen mussten wir über das zugefrorene Frische Haff. Die meiste Zeit mussten wir laufen und da es bitterkalt war, haben wir alle sehr gefroren. Es gab auch Menschen, die im Eis eingebrochen und gestorben sind. Wenn wir Glück hatten, wurden wir von Soldaten auf Wagen mitgenommen. Manchmal gab es am Rande des Haffs ein Feuer und wie konnten uns ausruhen und uns ein wenig die Füße wärmen. Zu essen gab es nur trockenes Brot und kalte Suppe. Wir verbrachten zwei Tage und eine Nacht auf dem Haff bis wir in Neutief ankamen. Von Neutief ging der Treck weiter nach Pillau und von dort nach Neuhäuser, wo wir von Februar bis Mitte April 1945 in einer alten Schule bleiben konnten. Am 12. April 1945 mussten wir von Neuhäuser zurück nach Pillau, weil wir von dort aus mit dem Transportschiff „Lappland“ weiterreisen sollten nach Dänemark. Nach 4Tagen, am 16. April 1945, sind wir in Kopenhagen angekommen. Wir haben Glück gehabt, denn das Schiff „Wilhelm Gustloff“, das bereits früher nach Dänemark abgefahren war, hatte sein Ziel nicht erreicht und ist mit vielen Flüchtlingen untergegangen . Von Kopenhagen wurden wir auf dieInsel Fühnen gebracht, wo wir in einer Schule untergebracht wurden. Von der Insel Fühnen mussten wir nach Graske und von dort nach Aalborg, wo wir am 10.5.1945, am Tag Kapitulation, ankamen. Wir lebten bis Oktober 1948 in einem Flüchtlingslager. Dort hatten wir zu Essen und es gab ein wenig Unterricht, aber keine Hefte und Schulbücher; geschrieben haben wir auf Toilettenpapier. Da eine Tante von uns bereits in Bentheim war, wurden auch wir Mitte Oktober 1948 dort hingebracht.“
Zeitzeugen-Befragung von Pia und Marlene R. Befragt wurde E. (der richtige Name ist der Redaktion bekannt).
Ich beziehe mich auf den Artikel „Flucht einer Neunjährigen von Ostpreußen nach Bad Bentheim“.
Auch ich war damals 9 Jahre alt und habe mit meiner Mutter und weiteren Verwandten teilweise den gleichen
Fluchtweg zurückgelegt. Meine Heimat war ein kleiner Ort
im Kreis Tilsit-Ragnit.
Wir sind auf der letzten Strecke unseres Fluchtweges auch
über das Eis des Frischen Haffes gefahren und von dort nach Stutthof. Da uns die Einkesselung der Roten Armee die weitere Flucht Richtung Westen unmöglich machte, mussten wir den Rückzug nach Danzig antreten.
Auf diesem Rückzug haben wir durch einen Panzerangriff
unseren Fluchtwagen mit 3 Pferden verloren und sind zu Fuß bis Danzig-Langfuhr gekommen. In der Nacht vom
10. zum 11.04.1945 wurde Danzig stark Bombardiert und
wir haben die Stadt mit einer Militärkollone in Richtung
Hela verlassen. Wir kamen morgens am Strand von Hela an
und wurden in Laufe des Vormittags auf das Frachtschiff
Moltkefels gebracht. Nicht lange danach wurde das Schiff
Bombardiert und wir sind wie durch ein Wunder über eine
Strickleiter, einem Lastkahn auf einen Ausflugsdampfer
gerettet worden. Dieser brachte uns dann am darauffol-
genden Morgen zu dem Schiff Lappland, das uns bis Kopen-
hagen brachte. Die Ankunft 16.04.45 stimmt mit der mir
unbekannten Neunjährigen überein.
Von Kopenhagen sind wir dann mit einem Zug nach Hornbeck
gebracht worden. Unser erstes Internierungslager war
das Badehotel in Horbeck. Später folgten ein Waldlager
in der Nähe von Hornbeck und darauf das Lager in Dragör,
in dem wir bis zu unserer Ausreise im August 1947 blei-
ben mußten. Mein Lebensweg führte mich dann nach Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen nach Schleswig-Holstein. Na und wie man unschwer erraten kann bin ich
nun schon lange Rentner und habe vor, meinen Lebensabend
hier in Brunsbüttel zu verbringen.
Ich würde mich freuen, mit der heute 73 bzw. 74jährigen
Neunjährigen einmal Kontakt aufnehmen zu können.
Mit freundlichen Grüßen
Ronald Kieselbach
meine mutter hedwig langmann war damals auch auf der flucht,sie ist in ostpreußen kreis papken geboren.1934